Sonntag, 9. März 2008

Downswing + Tilt = AUTSCH!

Für einmal fand ich drei Tage keine Zeit zum bloggen. War vielleicht auch besser, denn so konnte ich ein wenig Abstand zu diesem rabenschwarzen Pokerdonnerstag gewinnen.

Ich sollte vielleicht vorausschicken, dass schon die Voraussetzungen nicht die besten für eine Pokersession waren. Ich war ziemlich müde und startete zwei NL50 HU Tische auf NOIQ während ich mich gleichzeitig mit einem Freund im Skype unterhielt. Dadurch spielte ich nicht gerade mein A-Game. Da ich jedoch gegen zwei ziemliche Fische antrat, hätte nichtsdestotrotz ein Gewinn herausspringen müssen.

Nach meinem vortäglichen Upswing (siehe "Mission Turbofishing") kam es natürlich wie es kommen musste: Die Gegner schienen die mirakulösen Rivercards gemietet zu haben. Hierzu zwei illustrative Beispiele. Damit es nicht typische Bad Beat Stories werden, werde ich meinen jeweiligen Gedankengang zu den gemachten Moves schildern:

Hand 1)

HU NL50, Villain ist auf dem Button, ich im BB mit AcQc.

Villain: Raise auf 1.75$
Me: Reraise auf 6$
(AQs ist eine klare 3-Bet Hand OOP. Wenn möglich will ich den Pot schon hier gewinnen)
Villain: Call

Flop: 4c 4s 10s
Pot: 12$

Me: Bet 8$
(Continuation Bet, ausserdem kann es gut sein, dass ich da vorn bin)
Villain: Call
(Da bin ich ziemlich sicher vorn. Ne 10 muss er raisen, ebenso ein tiefes Pocket Pair. Mit einer 4 callt er kaum preflop einen reraise. Möglich wäre jedoch ein höcheres Pocket Pair oder AK)

Turn: 2c
Pot: 28$

Me: Bet 20$
(Diese Karte gibt mir zusätzlich noch den Nutflushdraw. AK muss spätestens hier folden und auch ein tiefes Pocket Pair sollte hier loslassen. Falls er callt und ich am River nicht hitte, muss ich die Hand wohl aufgeben.)
Villain: Call

River: Js
Pot: 68$

Me: Bet 2$
(Eine schlechte Rivercard. Flushdraw hittet und auch sonst hätte ich lieber eine tiefe Karte oder natürlich einen Hit meinerseits gesehen. Den 2$-Bet werfe ich raus, weil ich gerne einen Showdown hätte. Ich will wissen mit was er mich hier runtergecallt hat. Wenn ich checke, bettet er vielleicht gross und ich kann nicht callen. Wenn er mich hier raised, werde ich auch aufgeben.)
Villain: Call

Showdown:
Villain zeigt AhJh und gewinnt den Pot mit einem Jackpaar... WTF?! Naja, what can I do...

Hand 2)

HU NL50, ich bin auf dem Button mit 5d5c.

Me: Raise auf 1.25$
Villain: Call

Flop: 6s Qs Qd
Pot: 2.5$

Villain: Check
Me: Bet 2$
(Ein guter Flop für mich, da bin ich mit hoher Wahrschienlichkeit vorn)
Villain: Call

Turn: 4s
Pot: 6.5$

Villain: Check
Me: Bet 4$
(Ambivalente Gefühle zu diesem Turn. Die 4 macht den Flush möglich, ist aber von der Kartenhöhe her optimal. Ich entscheide mich für einen Valuebet hier, denn eigentlich sollte ich noch vorn sein.)
Villain: Call

River: Js
Pot: 14.5$

Villain: Check
Me: Check
(Absolut versch... River. Vier Spades liegen und auch die Kartenhöhe könnte besser sein. Ich muss hier behind checken, denn es callt mich wohl nur eine Hand, die mich geschlagen hat. Daher ist ein Bet hier klar -EV)

Showdown:
Villain zeigt 2x2s und gewinnt mit dem Flush...

Dies waren nur zwei schöne Beispiele, natürlich gabs noch ein paar Runner-Runner und auch lustige Setups wie top two Pair (AQ) vs Set (333).

Jaja, ich weiss, über solche Sachen sollte man sich eigentlich eher freuen als aufregen. Im Normalfall gewinnt man diese Hände und ausserdem wären wohl alle Fische schon verschwunden, würden sie nicht ab und zu auch einen Pot gewinnen.

Ich wage zu behaupten, dass ich relativ tiltresistent geworden bin. Die am Anfang des Blogs beschriebenen schlechten Voraussetzungen wirkten sich jedoch leider auch negativ aufs Tilt-Verhalten aus. Ich glaube zwar nicht, dass mein Spiel viel schlechter wurde (mein A-Game spielte ich ja sowieso nicht), aber ich beging in der Folge einen Fehler, den ich aus dunklen Zeiten ohne BR-Management nur zu gut kenne: Ich stieg in den Limits auf.


Genauer gesagt sass ich mit 400$ an einen NL400 Tisch. Das lief auch eine gewisse Zeit lang ziemlich gut, bis ich dann mit JJ gegen 45os verlor, als der Gegner damit einen 3-Bet preflop und einen grossen Conti-Bet auf dem Flop mit gehittetem lowest Pair (5) callte, nur um dann aufm Turn seine 4 auch noch zu treffen. Nur kein falsches Mitleid. Die ganze Aktion war einfach dumm. Zum Glück wurde mir das gleich nach diesem harten Schlag gegen meine BR bewusst, worauf ich fluchtartig die Pokersoftware verliess.

Rund 1h später (ja, ich war immernoch wach) konnte ich auf Fulltilt noch 200$ in HU-SnGs gewinnen und schaltete gleichzeitig noch 10$ Bonus frei, womit ich das Tagesminus ein wenig reduzieren konnte.

Tagesbilanz vom 06. März 08:

NOIQ:
NL50: -299.61$
NL400: -400$

Fulltilt:
HU SnGs: +200$
Bonus: +10$

Total: -489.61$

AUTSCH! Downswing hin oder her, einen ziemlich grossen Teil dieses Verlustes hab ich meiner eigenen Disziplinlosigkeit zuzuschreiben. Ausserdem machte ich sicherlich auch einige ziemlich marginale Plays als es bergab ging. Ich hoffe ich kann meine Lehre daraus ziehen...

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Am Freitag hatte ich nur kurz Zeit, weshalb ich mich entschloss ein 110+9$ 9 Player Turbo auf Fulltilt zu spielen, welches ich auch prompt gewann.

Tagesbilanz 07. März 08:

+376$ durch SnG auf Fulltilt

Somit konnte ich den Verlust des Vortages wenigstens teilweise ausbügeln. Naja, -113.61$ über 2 Tage ist auch genug :S

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Heute stehen wieder einige Turniere an . Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich alles spielen werde, aber da ich bei einer Promoaktion auf Overcards.de ein Staking fürs 250 Euro guaranteed Turnier auf T6 durch Tony G gewonnen habe, werde ich sicherlich dort anzutreffen sein. Über meine Erleb- und Ergebnisse werde ich natürlich wieder hier berichten. Hoffentlich dann mit einem Erfolgserlebnis!

Bis dann, wish me luck!

Tiltshark